Die Umfrage
Wie definiert sich Heimat? Wie hat sich für die, die seit Generationen hier leben,der Bezug zu Ihrem Viertel verändert? Gibt es das Gefühl einer Heimat nur in derSehnsucht nach etwas Vergangenem? Ist es Erinnerung oder gar ein nicht existierendes Ideal? Die Auseinandersetzung mit den emotionalen Bindungen und Sehnsüchten öffnet einen unbekannten, neuen Blick auf die persönliche Welt in St. Leonhard, die ganz andere Schwerpunkte setzt als das durch die sozialen, politischen und kulturellen Sachstände geprägte Öffentlichkeitsbild. Am 17. und 18. Juli 2009 begann die Umfrage zum »Heimat«-Projekt Teil 2. Die Antworten und Kommentare werden mehrere Monaten gesammelt und 2010 in einer Dokumentation veröffentlicht. Der Stadtteil St. Leonhard in Nürnberg gilt als ein so genanntes Brennpunkt- viertel mit hoher Arbeitslosenquote und einem überdurchschnittlichen Anteil an Migranten und allgemein Menschen aus den verschiedensten Kulturkreisen. Das Stadtviertel wird unter anderem durch diese Faktoren als problematisch angesehen. Es stellt sich die Frage, wie die Menschen ihren Stadtteil selbst erleben. Sind sie sich trotz der verschiedenen Biografien und Kulturkreise in ihren Wünschen und Träumen viel näher als sie gemeinhin denken? Durch Kommentare und Aussagen von dort lebenden Bürgerinnen und Bürger möchte die Künstlerin sich diesen »gefühlten Welten« nähern und sie sichtbar machen.
Das Schaufenster
»Ist St. Leonhard für Sie Heimat? Wenn nicht, was oder wo ist Heimat ? Die Schaufenster sollen im Laufe der 17 Tage dauernden Aktion langsam durch Sie und Ihre Kommentare zu einem großen Schriftbild werden«.
Vom 26. Februar bis 15. März 2009 konnten Anwohner und Interessierte in St. Leonhard ihre Gedanken, Erfahrungen und Wünsche zum Thema »Heimat« mit Kreide auf die Schaufensterscheiben des »Pferdesport Hoffmann« schreiben. Das Angebot wurde überraschend offen aufgenommen und über den gesamten Zeitraum der Aktion rege genutzt. Nach anfänglichem Wohlverhalten und ordentlichen »Schulsätzen« wurden die Inhalte kritischer und mit der Zeit auch aggressiver. Geschriebenes wurde durchgestrichen, weggewischt oder zornig kommentiert. Das Schriftbild trat in den Hintergrund, die Scheiben wurden ein anarchistisches, sehr persönliches Abbild St. Leonhards. Einzelne Mitglieder des dortigen Bürgervereins geißelten das Projekt (und die übrigen Aktionen der LeoPARTs im »Pferdesport Hoffmann«) auf ihrer Internetseite als »banal« und von »geringer künstlerischer Qualität«. Sie empörten sich über die »Verschmutzung des öffentlichen Raums«. Die Definition künstlerischer Qualität und die damit verbundenen Erwartungshaltungen der jeweiligen Parteien wurden in mehreren Artikeln von der Presse thematisiert und öffentlich diskutiert. Der gesamte Prozess wurde fotografisch und schriftlich festgehalten und dokumentiert.